Ein Mädchen mit roten, zu langen Zöpfen gebundenen Haaren steht vor einem bunten Haus, neben ihr ein Mädchen in blau-weiß gestreiftem Kleid und ein Bub in blauem Pulli und kurzer Hose.

Zu Gast in der Welt von Astrid Lindgren

Viel haben wir davon gehört, aber so richtig am Schirm hatten wir die Astrid Lindgren Welt für uns nicht. Nach einem abenteuerlichen Sommer-Urlaub sind wir am Rückweg nach Stockholm an einem Schild „Vimmerby“ vorbeigekommen. Da wurden wir neugierig, aber leider war die Zeit zu kurz für einen entspannten Besuch und eine entspannte Vorbereitung auf den Schulbeginn.

Wir haben den entspannten Schulbeginn vorgereiht, aber das Thema hat uns nicht mehr losgelassen. Und als an einem Wochenende Anfang September überraschend die Sportkurse der Kids ausgefallen sind, haben wir das als Zeichen gedeutet. Spontan haben wir uns ein kleines Schweden-Häuschen im Feriendorf, das direkt an die Astrid Lindgren Welt angeschlossenen ist, gebucht. Freitagabend hin, Sonntagabend wieder zurück. Die Zeit dazwischen erlebten wir voll gepackt mit abwechslungsreichen Theatervorstellungen, viel Auspowern auf den Spielplätzen und dem Kennenlernen einiger neuer Charaktere aus Astrid Lindgrens Büchern.

Trotz vieler Tipps von Freunden wussten wir nicht so richtig was uns erwartet. Unsere Erwartungen an „Schwedens größtes Freiluft-Theater“ wurden weit übertroffen. Wir waren sehr erleichtert, dass wir uns gleich für das 2-Tages-Ticket entschieden haben und gar nicht erst versuchten mit einem Tag auszukommen. Was uns sonst noch so an Empfehlungen aufgefallen ist?

1) In typischen Sommer-Häuschen nächtigen

Ein rot gestrichenes, kleines Holzhaus steht in einem Garten. Vor dem Haus stehen ein weißer Holztisch und 4 Stühle, davor wächst ein Laubbaum.

Direkt angeschlossen an die Astrid Lindgren Welt liegt die „Kleine Stadt“ mit idyllischen Holzhäusern im Schweden-Stil. Von der Bürgermeister-Villa bis zum einfachen Gartenhaus ist alles dabei. Beim nächsten Besuch würden wir definitiv wieder hier nächtigen wollen und auch direkt über den Lageplan ein Platzerl näher am Spielplatz buchen. Passendes Häuschen aussuchen, Gepäck mit rustikalem Wagerl vom Auto abholen und einfach eine schöne Zeit verbringen. Die Häuser sind übrigens bestens für Selbstversorger ausgestattet!

2) Beim Frühstück das Theaterprogramm studieren

Rechts im Bild stehen Halterungen mit Hüten darauf, daneben zwei kleine Kinder, die sich in einem Spiegel betrachten

Für Gäste, die mit dem Smartphone manchmal überfordert sind, gibt’s an der Rezeption das Theaterprogramm und eine Übersichtskarte in Papierform. Damit haben wir uns zum Frühstück gesetzt und im Familienrat überlegt, welche Vorstellungen wir unbedingt sehen wollen. Das waren unsere Eckpfeiler für den Tag und darum herum haben wir den Rest organisiert.

An der Rezeption gab’s mit einer großen Verkleide-Station auch das erste Highlight für die Kids. Hüte in allen Farben und Formen, Kleider wie direkt aus einem Astrid Lindgren Buch, ein Schminktisch mit Perlenketten und viele, viele Schals und Tücher zum Umhängen.

3) Für jedes Wetter packen

Katthult, das Zuhause von Michel von Lönneberg, als Kulisse, im Vordergrund sitzen zwei Frauen in Kleidern im Stil der 50er Jahre

Alle Vorstellungen finden im Freien statt, es gibt keine Überdachungen und Regenschirme sind während der Aufführungen verboten. Daher unbedingt ordentliche Regenoutfits mitnehmen. Ganz wichtig dabei auch: Sitzkissen einpacken. So banal und trotzdem hätten wir es ohne Extra-Hinweis einer Freundin bestimmt vergessen. Es ist alles Outdoor und beim Besuch im Spätsommer heißt das vormittags nasse Sitzplätze. Wir hatten unsere kleinen Sitzauflagen aus Filz dabei. Auf denen sitzt es sich auch gleich ein bisschen gemütlicher als auf den harten Holzbänken.

4) Realistisch bleiben

Ein gelbes und ein blaues Haus in Kindergröße. Im Vordergrund steht ein Fahnenmast mit Schweden-Fahne.

Wir haben am ersten vier und am zweiten Tag zwei Vorstellungen angeschaut. Das war reichlich genug. Von den vier Vorstellungen am ersten Tag fanden gleich drei auf der Katthult Bühne statt. Wir mussten also kaum gehen und haben nur kleine Abstecher auf Spielplätze und zum Mittagessen gemacht. Am nächsten Tag haben wir uns die erste Vorstellung in der Früh gegönnt und sind dann gemütlich durch das weitläufige Areal spaziert. Wir haben auf der Mattisburg vorbeigeschaut, viel Zeit in der Kleinen Stadt verbracht und die Häuser in der Krachmacherstraße bewundert.

5) Zeit nehmen

Nach zwei vollen Tagen in der Astrid Lindgren Welt gibt es noch immer einiges, dass wir nicht gesehen haben: Von den angebotenen 12 Vorstellungen haben wir die Hälfte geschafft, die Schauplätze von „Rasmus“ und den „Brüder Löwenherz“ Geschichten warten noch darauf entdeckt zu werden, die Kinder hätten gerne mehr Zeit für den Rutschenturm und die Geschicklichkeitsspiele gehabt und Junibacken war bei unserem Besuch für Umbauarbeiten geschlossen.

6) Offen für Neues sein

Als wir klein waren, wurde bei uns kaum Astrid Lindgren gelesen. Wir kennen Pippi Langstrumpf, aber von Michel von Lönneberga (der im schwedischen Original Emil heißt) oder Ronja Räubertochter und wie sie alle heißen haben wir vor unserem Umzug nach Schweden nur am Rande, wenn überhaupt, gehört. Eher zufällig sind wir dann gleich zur zweiten Vorstellung bei der Bühne in Katthult bei Michel gelandet. Die Vorstellungen hier und jene von Karlsson auf dem Dach, von dem wir davor noch gar nichts gehört hatten, waren ganz klar unsere Familienfavoriten.

7) Picknickplätze nutzen

Brunnen mit Leitwerk in einem schattigen Hof, der mit einem roten Bretterzaun abgegrenzt ist, im Hintergrund hängen Kleider an einer Wäscheleine

Im gesamten Areal sind zahlreiche Picknick- und Grillplätze verteilt. Wir haben leider nicht daran gedacht uns für zu Mittag ein Picknick einzupacken. Wir mussten schnell lernen, dass das ein Fehler war und sind leider eine gefühlte Ewigkeit für das Mittagessen angestanden. Die Kinder waren wenig begeistert – und wir ziemlich genervt. Am zweiten Tag sind wir die Herausforderung mit mehr Snacks und einer besser gewählten Essenszeit angegangen, aber beim nächsten Besuch wird es definitiv ein Picknick.

8) Von der Stimmung mittragen lassen

Pippi Langstrumpf winkt vom Dach der Villa Kunterbunt. Auf der Terrasse stehen zwei Polizisten, Tommy und Annika.

In den Vorstellungen wird mitgefiebert, gelacht und gesungen. Danach kann man zu den Schauspieler:innen auf die Bühne und tatsächlich hinter die Kulissen blicken und auch darin spielen. Zwischen den Vorstellungen nehmen sich die Darsteller:innen Zeit und binden Kinder und Besucher:innen allgemein sehr entzückend ein. Wir sind mit Pippi über einen spontan angelegten Parkour balanciert, haben mit Emils Mama das Tischtuch vom Suppenschüssel-Drama zusammengelegt und mit der kleinen Ida ihr Sommerlied gesungen.

9) Bummeln gehen

Ein rotes Holzhaus mit der Aufschrift Pippibutiken

Eingebettet in die Theaterkulissen-Idylle liegen unter anderem eine kunterbunte Pippi-Butik, ein in schönem blau gehaltenes Emil-Geschäft, eine große Buchhandlung mit ganz vielen Astrid Lindgren Büchern von denen wir bisher noch nie gehört hatten und eine Post, in der wir einen ganzen Stapel Ansichtskarten mit lustigen Motiven gekauft haben. Die Kinder durften sich kunterbunte Outfits aussuchen und in unsere Küche ist ein Pippi-Krug eingezogen.

10) Direkt wiederkommen

Wenn auf der Fahrt nach Vimmerby im schwedischen Radio „Live is Life“, DER Hit der österreichischen Band Opus, gespielt wird, kann es ja nur ein top Wochenende werden. Und so haben wir am Rückweg nach Stockholm schon die Kalender gezückt und überlegt, wann wir noch einmal ins schöne Småland fahren könnten. Die Astrid Lindgren Welt hat bis zu den Herbstferien noch vereinzelt an den Wochenenden geöffnet und schließt dann – wie so vieles in Schweden – bis Mitte Mai ihre Tore. Wir werden sehen, ob sich bis Sommer 2026 noch ein Besuch für uns ausgeht.


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