Ende Mai ziehen wir aus unserer aktuellen Wohnung aus und richten uns auf der Insel Lidingö in einem Vorort von Stockholm neu ein. Bevor es Zeit wurde die Siedelkartons zu packen, gönnten wir uns ein langes Wochenende auf Gotland. Die größte Insel der Ostsee wird in all unseren Reiseführern als absolutes Highlight gehandelt. Wir waren entsprechend neugierig – und sind total begeistert heimgekommen.
Auf die Fähre
Los ging’s Samstagfrüh: Mit dem Auto nach Nynäshamn und von dort mit der Fähre in rund drei Stunden nach Visby, Gotlands Hauptstadt. Wir hatten für Hin- und Rückfahrt eine private Kabine gebucht. Das hat sich tatsächlich ausgezahlt: In die eine Richtung konnten beide Mäuse ungestört Mittagsschlaf halten, in die andere haben wir ganz entspannt unser Abendritual durchgezogen.





Wohnen am Sandstrand
Nach ein paar herausfordernden Erfahrungen zu Viert in einem Hotelzimmer, haben wir beschlossen vorerst mal Unterkünften mit zwei Schlafzimmern den Vorzug zu geben. Auf Gotland haben wir uns daher gleich ein Ferienhaus am Meer gebucht. Das Häuschen hatte zwar nur knapp 35 Quadratmeter, lag dafür aber direkt am Sandstrand in Tofta. Einzig drei Reihen Camping-Stellplätze trennten uns von den Dünen. Da ja noch Nebensaison war, war bis auf einen Platz alles leer. Und auf dem einen Platz stand tatsächlich ein Innsbrucker. Schöner Zufall!
Der Strand war genial, das Wetter hat super gepasst und wir haben gleich mal unsere eigentlichen Pläne gestrichen. Stattdessen haben wir im Sand gespielt und lagen in der Sonne.










Fårö, Raukar und die See
Kurz haben wir überlegt, ob wir den nächsten Tag auch faul am Strand verbringen, aber dann haben wir uns glücklicherweise entschieden doch einen Ausflug zu machen. Im Norden von Gotland liegt die kleine Insel Fårö, die für ihre raue Natur und als Rückzugsort von Ingmar Bergman bekannt ist. Wir kennen tatsächlich keinen Film Bergmans, aber bei Gelegenheit wollen wir das unbedingt nachholen. Auf Fårö waren wir aber ohnehin vor allem auf die Landschaft und das größte Raukar-Gebiet Schwedens neugierig.


Raukar? Wir kannten den Begriff bis vor wenigen Wochen nicht. Raukar sind Kalksteinsäulen, die durch ein Zusammenspiel aus Hebung des Meeresbodens, Erosion und Auswaschung des weicheren Gesteins entstehen. Auf ganz Gotland gibt es die bizarren Formationen zu bewundern und im Norden von Fårö liegt das größte Raukar-Gebiet Schwedens.
Die Stimmung in der Landschaft war ein bisschen eigen. Nicht ungut, aber an einem so exponierten Ort mitten in der Ostsee hatten wir uns auf ordentlich Wind und Wellen eingestellt. Das war nicht der Fall. Ganz im Gegenteil: das Meer war so ruhig, dass wir mit Johanna auf den Steinen geklettert sind und die kleinen Tümpel erkundet haben während sich eine Schar Möwen im Wasser treiben hat lassen. Irgendwie surreal.







Irgendwann bekamen wir Hunger und sind in eines von zwei geöffneten Lokalen auf Fårö eingekehrt. Die Creperie ist bekannt, aber der folgende Hinweis beschreibt es ganz gut: „Schwer zu sagen, ob die vielen Gäste tatsächlich aufgrund des Essens kommen oder doch eher, weil es das einzige Café im weiten Umkreis ist.“





Wie auch immer, die Crepes waren gut und wir konnten gestärkt unsere Runde über die Insel abschließen: Vorbei am Leuchtturm im äußersten Nordosten, ein bisschen Staunen über den Wahnsinns-Strand an der Ostseite und dann zurück Richtung Fähre. Auf Gotland haben wir erstmal Pause am Spielplatz gemacht und dabei eine sehr nette Begegnung mit einer syrischen Familie, die seit sieben Jahren in Schweden lebt, gehabt. Der angebotene Lamm-Spieß vom Grill war wohl das erste Lamm-Gericht überhaupt, das uns allen richtig gut geschmeckt hat.






Zurück ins Mittelalter
Visby, der Hauptort Gotlands, ist reich an Geschichte und Kultur. In Zeiten der Hanse war die Stadt durch ihre Lage zwischen europäischem Festland und Skandinavien DAS Handelszentrum der Region. Gefühlt an jeder Ecke stehen Kirchenruinen und in den Gassen kann man sich leicht ein paar Jahrhunderte zurück versetzt fühlen. An einem Montag in der Nebensaison ist es noch dazu sehr ruhig. Einziger Nachteil: Die Verkost-Bar des hier produzierten Gotland Eis hatte während der Woche leider geschlossen. Da müssen wir wohl ein anderes Mal wiederkommen.














Farbenfroher Himmel
An zwei unserer drei Abende auf Gotland haben wir spektakuläre Sonnenuntergänge beobachtet. Wir können definitiv verstehen, dass die Fähren auf die Insel immer gut gebucht sind und ein Aufenthalt hier gerade im Sommer viel Voraus-Planung erfordert. Wir wollen das nächste Mal jedenfalls im Herbst kommen. Mal sehen, ob es schon dieses Jahr klappt.




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