Ein rotes Holzhäuschen steht auf einem Felsen im Wald

Ein Wochenende auf Gällnö

Auch diesen Sommer sind wir weiter auf der Suche nach unserer Lieblings-Schären-Insel. Mitte Mai haben wir zum ersten Mal Gällnö besucht. Obwohl Gällnö nur rund zehn Bootsminuten weiter entfernt liegt als Grinda, fühlt sich die Insel wie eine ganz andere Welt an. Ein paar Kühe, viele grüne Wiesen mit Löwenzahn und dazwischen ein paar rote Häuser: so präsentiert sich die Insel im mittleren Schärgarten. Wir waren neugierig auf dieses einfache Inselleben und haben für eine Nacht im STF Vandrarhem Quartier bezogen.

KURZ UND KNAPP
Gällnö
📍 Lage: Mittlere Stockholmer Schären
⛴️ Anreise: mit Waxholmsbolaget oder Cinderella (Stromma)
⏱️ Fahrzeit: ca. 2 Stunden ab Stockholm (je nach Verbindung)
🥾 Ideal für: Tagesausflug oder eine Übernachtung
👨‍👩‍👧‍👦 Besonders geeignet für: Ruhesuchende und Wander:innen
⭐ Unser Highlight: Die entschleunigte Atmosphäre abseits der großen Schäreninseln.

Anreise mit Waxholmsbolaget

Eine blaue Fahne mit gelbem Kreuz weht im Wind

Mit dem Boot ging es direkt von Lidingö bis Gällnö. Das sonnige Frühlingswetter lockt scheinbar ganz Stockholm in die Schären: alle Plätze belegt, es ist tatsächlich kaum genug Fläche frei, um uns überhaupt zu Viert gemeinsam wo hinzustellen, der Kinderwagen wird vom Personal im Freien geparkt. So haben wir uns das nicht vorgestellt. Zum Glück ist es nicht weit bis Vaxholm, wo weit mehr als die Hälfte der Fahrgäste aussteigt.

Ziemlich entspannt kommen wir nach rund zwei Stunden auf Gällnö an. Vom Anlegesteg spazieren wir über breite Schotterwegelangsam Richtung Vandrarhem. Unser Gepäck haben wir im Kinderwagen verstaut, es muss also niemand schwer tragen und wir trödeln gemütlich dahin. Es ist inzwischen kurz nach Mittag und unsere erste Mission heißt Picknickplatz finden.

Schneller als gedacht stehen wir vor dem Holzzaun mit der Aufschrift VANDRAHEM. Im Garten locken die verstreut in der Sonne stehenden Tische und Bänke. Wir nehmen also direkt hier Platz und genießen unser, von zuhause mitgebrachtes, Picknick.

Wasser? Ja, aber…

Das etwas abseits auf der Wiese stehende Trampolin zieht die Mäuse magisch an. An Wandern ist mit zwei kleinen Kindern vorerst nicht zu denken. Das ist uns ganz recht – wir bleiben entspannt in der Sonne sitzen und lassen uns auf den langsameren Takt der Schären ein.

Ein paar Meter oberhalb steht unsere kleine Hütte idyllisch auf einem Felsen im Wald. Davor können wir das Leitwerk für den Brunnen (kein fließendes Wasser in der Hütte) erkennen, dahinter das rote Häuschen mit dem Plumpsklo.

Als wir Trinkwasser zum Auffüllen unserer Flaschen pumpen wollen stellen wir fest: Der Brunnen ist aufgrund der anhaltenden Trockenheit außer Betrieb. Trinkwasser muss in Krügen, Flaschen und/oder dem bereit gestellten 10-Liter Eimer im Haupthaus geholt werden. Die Mäuse finden das alles sehr spannend, wir Erwachsenen sind im ersten Moment etwas genervt, merken aber schnell: Das Wasser holen entschleunigt ungemein. Anstatt noch Pläne für den Rest des Tages zu machen, sind wir damit beschäftigt uns einfach gut zu versorgen.

Zwei Personen stoßen mit Rotwein in Wassergläsern an

Zum Abendessen öffnen wir höchst professionell eine Dose Thunfisch (ein Hoch dem Schweizer Taschenmesser!) und kochen den beliebten Klassiker Fussili mit Tomatensauce und Fisch. Selten schmeckt das Essen der ganzen Familie so gut wie heute. Im Nu haben wir den Topf geleert und versuchen unser Bestes, um rein und trotzdem Wasser sparend abzuwaschen.

Gute Nacht!

Zu Viert in einem Raum schlafen? Das haben wir schon lange nicht mehr versucht. Es klappt überraschend gut – zumindest bis das kleine Mäuschen um 3 Uhr früh ausgeschlafen vor dem Bett steht und gerne etwas spielen möchte. Mit viel Ach und Krach schaffen wir noch 2,5 Stunden kuscheln und schlafen. Dann hilft alles nichts mehr: Wir packen den Rucksack mit den Spielsachen aus und starten ungewöhnlich früh in den Tag.

Natur-Erlebnis Gällnö

In einer Bucht liegen Segelschiffe vertaut

Ein kleines Frühstück, zusammenpacken, Hütte rauskehren, Trampolin springen, ein letztes Mal Wasser holen – und wir sind bereit für eine Wanderung. Der Weg führt quer durch den Wald Richtung Norden. Unterwegs treffen wir vereinzelt andere Insel-Gäste, aber es ist generell sehr ruhig. Die Kinder laufen unbeschwert durch den Wald bis wir schließlich zu einer Bucht kommen. Hier zählen wir ganze zehn Segelboote. Für schwedische Frühlings-Verhältnisse ist das schon ein Massenauflauf.

Ein paar Meter weiter versteckt sich zwischen den Bäumen ein Gletschertopf (auf schwedisch Jättegryta, danke für die Übersetzung Wikipedia!). Das Natur-Phänomen müssen wir natürlich näher erkunden. Mit langen Ästen wird darin gestochert bis wir den Rückweg antreten.

Ein mit gelblich gefärbtem Wasser gefülltes Loch im Stein

Unterwegs kehren wir im kleinen Insel-Restaurant ein. Die Küche ist im Keller des lokalen Supermarkts untergebracht, die Tische sind kreuz und quer unter den Bäumen verteilt. Das Lokal ist der Treffpunkt auf der Insel. Hier sitzen Einheimische und Segler:innen aus der Stadt gemeinsam an einem Tisch und feiern das warme Wetter.

Auf der Speisekarte steht nur eine Hauptspeise: Warm geräucherter Lachs mit jungen Erdäpfeln, Spargel aus der Nachbarschaft und extra viel Gemüse drumherum. Mehr braucht es nicht, um uns glücklich zu machen. So oder ganz ähnlich haben wir Lachs schon in vielen einfachen Garten-Cafés hier in Schweden genossen.

Als Nachspeise holen wir uns im Supermarkt ein Schleckeis. Die Auswahl der Insel-Supermärkte fasziniert uns auch hier: Es gibt alles, was man zum Überleben in den sommerlichen Schären so braucht. Von lange haltbaren Lebensmitteln wie Konserven und Nudeln über gut konservierte Ware aus dem Kühlschrank bis hin zu einfachen Ersatzteilen für Boote und Lastenmopeds ist hier alles dabei. Einzig frisches Obst und Gemüse sucht man meist vergeblich.

Zurück zum Boot

Schließlich wird es Zeit der Schotterstrasse zurück zur Landungsbrücke zu folgen. Am bewirtschafteten Bauernhof versuchen wir einen Blick auf die Kälber zu erhaschen, aber die haben sich gut versteckt. Am Boot lassen wir diesen Ausflug in den Schärengarten Revue passieren. Wir sind uns einig: Gällnö ist keine Insel der großen Sehenswürdigkeiten und steht auf keinen Schweden-Bucket lists, aber uns hat gerade diese Ruhe und das Gefühl, ganz weit weg vom Alltag zu sein, gefallen.

Am Wasser steht eine Schlange an Personen mit Rucksäcken und wartet auf das ankommende Boot

Unsere Tipps für euren Besuch auf Gällnö

  • Anreise: mit Waxholmsbolaget oder Cinderella, den Fahrplan vorher genau prüfen – vor allem für den Rückweg
  • Übernachten: STF Vandrarhem, einfache Ausstattung, kein Hotelkomfort, aber sauber und sehr ruhig, Wochenenden besser frühzeitig reservieren
  • Essen: im Insel-Restaurant Gällnö Krog, Proviant kann im kleinen Supermarkt gekauft werden, außerhalb der Hauptsaison besser selber mitbringen
  • Mit Kindern: viel Platz zum Laufen und Toben, keine Autos, schöne Wanderwege, Tiere auf der Weide, kleiner Sandstrand in der Bucht mit dem Zeltplatz
Zwei Kinder in bunter Kleidung laufen über eine grüne Wiese mit gelben Löwenzahn-Blüten

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Flache Steine und Felsen liegen an der Ostsee, rechts ein Sandstrand mit Nadelwald

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barbara + thomas